Über Stille

Kleine Anmerkung: Weil ich in meinen Blogposts zu einem ehrlichen und persönlichen Nachdenken einladen möchte, verwende ich ein freundlich und respektvoll gemeintes „Du“.

Ich habe die letzte Woche im Urlaub in den Alpen verbracht. Die perfekte Gelegenheit, den Kopf mal abzuschalten, runterzukommen und die Ruhe zu genießen – dachte ich zumindest. Denn ehrlich gesagt durfte ich erst einmal feststellen: Stille und „im Moment sein“ auf Knopfdruck – das klappt (bei mir) herzlich schlecht. Mitten in der wunderschönsten, mystischen Landschaft war mein Kopf zunächst einmal ordentlich am rattern. Da ging es um Vergangenes, Bevorstehendes und den inneren Appell, diesen Urlaub jetzt aber bitteschön wirklich mal zu genießen – schließlich war dieser ja heiß ersehnt und die verbleibende Zeit natürlich mit jedem weiteren Tag kürzer. Zenmäßige Entspannung: Fehlanzeige.

Stattdessen wurde mir bewusst, mit welchem Tempo meine Gedanken den ganzen Tag durch meinen Kopf rasen – und das natürlich nicht nur im Urlaub, sondern (vermutlich sogar noch mehr) auch im Alltag. Vielleicht kennst du diese innere Unruhe ja auch: Ich zumindest stelle fest, dass es mir deutlich schwerer fällt als noch vor ein paar Jahren, einfach mal nichts zu tun. Sehr, sehr schnell ist der Impuls da, zum Handy oder einem Buch zu greifen oder mich zumindest in meinen (mehr oder weniger konstruktiven) Gedanken zu verlieren. Einfach so im Hier und Jetzt sein – das fällt mir oft ganz schön schwer.


Man könnte nun natürlich sagen, dass das ja gar nicht so schlimm sei – mich persönlich stört es jedoch zusehends, denn: Auf diese Weise sind wir nicht nur in unangenehmen oder langweiligen Momenten weniger präsent, sondern auch dann, wenn wir von großer oder alltäglicher Schönheit umgeben sind. Das kann zum Beispiel unsere Beziehungen schädigen, wenn wir dem anderen nur noch mit halbem Ohr zuhören, weil wir „nur eben mal schnell“ unsere Mails checken. Aus meiner Perspektive als Beraterin tut es aber auch uns selbst nicht gut: Wir gewinnen so den Eindruck, „schlechte“ Gefühle einfach nicht aushalten zu können – tatsächlich stimmt das aber meist gar nicht. Und erst durch den bewussten Kontakt mit uns selbst können wir fühlen: Aha, so geht es mir gerade! Wir spüren, was wir brauchen, wonach wir uns sehnen, was uns traurig und glücklich macht.

Die Fähigkeit, langsam zu machen und präsent zu sein, ist also (ironischerweise) geradezu ein Entwicklungsbeschleuniger: Anstatt uns immer wieder abzulenken oder noch eine Runde im Gedankenkarussell zu drehen, merken wir so, was WIRKLICH Sache ist – und können lernen, immer besser für unsere Bedürfnisse Sorge zu tragen. Dabei glaube ich, dass unsere Tendenz, viel zu denken und viele Informationen zu konsumieren, erst einmal einem ganz natürlichen und gesunden Impuls folgt: Unser Hirn ist nunmal die zentrale Problemlöseinstanz unseres Systems – und wo früher manche Gedankenspuren einfach im Sande verliefen, ist Google heute sofort zur Hand und weiß fast immer Rat. Und auch Menschen, an die wir früher lediglich gedacht hätten, sind heute permanent kontaktierbar (inklusive uns selbst). All das kann erst einmal absolut nützlich sein – braucht aber gute und klare Grenzen, wenn unser hyperaktives Problemlösesystem nicht selbst problematisch werden soll. Was also tun? Für mich war mein Erleben im Urlaub eine gute Erinnerung daran, die im Alltag immer wieder vernachlässigte Atemmeditation wieder aufzunehmen – bei der ich ganz langweilig lerne, meine Aufmerksamkeit zu fokussieren und Impulse wahrzunehmen, bevor ich ihnen automatisch folge. Mein Urlaub wurde dann natürlich trotzdem noch schön (und ruhiger). Da sich im Alltag jedoch eher selten die Gelegenheit findet, zur Gedankenberuhigung erst einmal zwischen ein paar Gipfeln spazieren zu gehen, kehre ich mit dem Vorsatz wieder, auch im Alltag mehr Raum für Stille zu schaffen. Für heute lade ich dich deshalb ein, auch einmal zu überlegen: Gibt es etwas, das dir dabei hilft, immer wieder aus dem Gedankenkarussell im Kopf auszusteigen? Alles Liebe, deine Anne.

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