Wenn nichts mehr geht

Kleine Anmerkung: Weil ich in meinen Blogposts zu einem ehrlichen und persönlichen Nachdenken einladen möchte, verwende ich ein freundlich und respektvoll gemeintes “Du”.

Dieses Jahr hat sich bislang in vielerlei Hinsicht angefühlt wie dieses Bild: Auf einmal Nebel. Das ging mir persönlich so, das habe ich so aber auch immer wieder von Klient*innen erfahren dürfen. Auf einmal hat sich da etwas ins Blickfeld geschoben, und wo der Weg zuvor klar erkennbar war, war nun ein Innehalten gefragt. Einfach nach vorne hasten wie bisher – nicht mehr möglich.

Im Außen können wir der Nebelwolke sicherlich alle einen Namen geben (Kleiner Tipp: Es ist dieses Wort mit C!), ich habe dieses Phänomen aber immer wieder auch in den persönlichen Prozessen, die ich begleiten durfte, wahrgenommen: Alte Wege schienen auf einmal blockiert, da ging erstmal nichts mehr. Und das machte – verständlicherweise – Angst! Da war immer wieder das Gefühl, dass es auf die alte Weise im Job, in der Partnerschaft, in der Familie einfach nicht mehr weitergehen könne.

Für mich selbst war und ist in diesem Jahr Thema gewesen, einen anderen Umgang mit meiner Energie zu finden. Wo ich sonst oft schnell ins Machen und Erledigen gehen konnte, im Zweifelsfall mit einem (oder zwei, oder drei…) Kaffee mehr, war der energetische Funke auf einmal oft erstaunlich schnell verpufft. Und ich konnte feststellen: Mit der alten Strategie (naja, ehrlich gesagt: mich da trotzdem durchzuzwingen) wurde es einfach nix. Genau diese Erfahrung ist mir immer wieder auch in den Prozessen meiner Klient*innen begegnet: Über alte, oft wenig liebevolle oder mitfühlende Strategien im Umgang mit sich selbst war einfach nichts mehr zu holen. Und auch diese Erkenntnis konnte auf einmal ganz schöne Angst machen.

Gleichzeitig, und das ist auch meine persönliche Erfahrung, birgt dieser Moment des Nichts-geht-mehr auch ein Geschenk. Wenn das alte wirklich, WIRKLICH nicht mehr funktioniert – dann ist das Ausprobieren eines neuen Weges nicht mehr nur eine nette Idee, sondern simple Notwendigkeit. Ob es uns nun auf den ersten Blick gefällt oder nicht.

Für mich persönlich war irgendwann klar: Wenn es so wie bislang nicht mehr geht, dann muss jetzt ein anderer Umgang mit mir selbst her, wohl oder übel (wie ich dann feststellen durfte: zum Glück meist eher ersteres). Das hieß für mich: Pausen machen, wenn mein Körper müde ist. Viel öfter einfach im Sessel sitzen und lesen oder den Wecker etwas später stellen, als es mein gut konditioniertes Gewissen zunächst in Ordnung fand. Alles andere in meinem Leben einer neuen Priorität unterzuordnen: Dass es mir gut geht. Dass es mir nicht schadet.

Für jemanden, dessen glühende Affirmation, gerade auch in beruflicher Hinsicht, immer war: “Ich will vor allem anderen helfen.” war das neu und erstmal unbequem. Heute kann ich sagen: Ich will immer noch aus ganzem Herzen anderen helfen. Und ich will, dass es mir dabei gut geht.

Während dieses Prozesses, der sich viel länger und zäher angefühlt hat, als ich es zwischenzeitlich angemessen fand, haben sich still und heimlich zwei Effekte eingeschlichen: Erstens: Ich schäme mich nicht mehr für mein selbstfürsorgliches Verhalten. Im Gegenteil, ich werde immer mehr zur Markenbotschafterin (und würde mich dafür gern in Streuselkuchen, Yogi-Tee und Vanilleduftkerzen sponsern lassen). Zweitens: Ich spüre, wie meine Energie wieder zu mir zurückkommt. Ich habe sie eingeladen, nicht mit dem Lasso gefügig gemacht.

Wieso schreibe ich hier so ausführlich davon? Weil es meine Überzeugung ist, dass das, was ich dieses Jahr erlebe, keine Einzelerfahrung ist. Der Weg wird dann wieder klar, wenn wir gelernt haben, wieder auf unser Gespür zu vertrauen und ihn auf neue Weise zu gehen. Sanfter, mitfühlender, ehrlicher. Liebevoller. Vor allem auch mit uns selbst.

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